Erschreckende Zahlen

Diabetes überrennt Vorhersage

TORONTO – Im kanadischen Ontario übersteigt die Zahl der Diabetesfälle schon jetzt die Prognose der WHO für das Jahr 2030. Sollte dieser Trend kein Einzelfall sein, würden große Belastungen auf alle Länder zukommen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet damit, dass die Zahl der Zuckerkranken bis zum Jahr 2030 um gut ein Drittel steigen wird. Wissenschaftler aus Kanada berichten nun in der Fachzeitschrift The Lancet (2007; 369: 750-756), das diese Vorhersage in der kanadischen Provinz Ontario schon 2005 übertroffen wurde. Sie befürchten, dass bisherige Vorhersagen die Ausbreitung von Diabetes weltweit deutlich zu niedrig ansetzen.

Lorraine Lipscombe und Janet Hux vom Institute for Clinical Evaluative Sciences ermittelten einen Anstieg um 69 Prozent bei den Diabetesfällen in der Region. Die beiden Forscherinnen beschränkten sich dabei auf den Zeitraum zwischen 1995 und 2005 und Personen über 20 Jahre. Für die Zeit zwischen 1995 und 2030 erwartete die WHO weltweit einen Anstieg von lediglich 60 Prozent.

Die Statistik der Weltgesundheitsorganisation beruhte auf der optimistischen Annahme, dass die Fettleibigkeit in der Weltbevölkerung nicht weiter steigt. Das merkten die Autoren bereits bei Erscheinen der Studie im Jahr 2004 selbstkritisch an. Ob sich die Zahlen aus Ontario auf andere Regionen übertragen lassen, ist allerdings ebenfalls unklar. Denn die kanadische Provinz weist eine hohe Immigrationsrate aus Ländern auf, die besonders von Diabetes betroffen sind.

Deutsche und Kanadier glichen sich laut WHO-Daten in den letzten Jahren sehr stark, was Übergewicht und andere Gesundheitswerte anging. Es steht daher zu befürchten, dass auch hierzulande die Zahl der Diabeteskranken stärker steigen wird. Anhand von Daten des Bundes-Gesundheitssurveys von 1998 schätzt das Statistische Bundesamt, dass etwa fünf Prozent, also vier Millionen Menschen, in Deutschland an Diabetes erkrankt sind. Studien belegten allerdings, dass die Dunkelziffer in ähnlicher Höhe liegt, also insgesamt sieben bis acht Millionen Deutsche betroffen seien dürften, so das Bundesamt.

„Unsere Daten sind wichtig, um Politiker adäquat auf die steigende Belastung der Gesundheitsressourcen durch Diabetes vorzubereiten“, so die Autoren der kanadischen Studie. „Wirksame öffentliche Maßnahmen zur Behandlung und Prävention von Fettleibigkeit werden bitter benötigt.“ Diabetes mellitus ist eine der kostenintensivsten chronischen Krankheiten und hat für Betroffene oft schwerwiegende Folgen.

 

Quelle: www.medical-tribune.de D, Fabian Seyfried, 06.03.2007


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